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jurij m. lotman (R.I.P.)
die grenzen des textes sind die grenzen der welt

 
... "Nötig ist eine Debatte über das, was wir hier als Verteilerwahnsinn bezeichnen. Bei uns verdient ein Michael Ballack auch anders als ein Owen Hargreaves. Ich bin ein großer Freund des Verdienstes. Man stützt die Kleinen nicht, indem man die Starken schwächt. Der Fußball gehört reformiert, wie unsere ganze Gesellschaft reformiert gehört. Wir sind hier ein Land der Gleichmacherei geworden. Das muss aufhören. Der Fußball muß da möglicherweise auch gesellschaftspolitisch eine Vorreiterrolle spielen. Was er wunderbar kann. Wo finden überhaupt noch Leistung und Wettbewerb statt? Und zwar auf einer öffentlichen Bühne? Jeden Samstag kann man in diesem Land verfolgen, wer welche Leistung gebracht hat, als Mannschaft, als Spieler. ... Ich bin kein Freund des Drohens, ich bin ein Freund des Kompromisses. Aber wenn wir es ganz korrekt angehen würden, müsste man sagen: vermarktet euch bitte selber! ... Und hinterher könnte man ja trotzdem über Solidaritätszulagen diskutieren. ... Wir bekennen uns aber grundsätzlich zur zentralen Vermarktung. Sie soll ja festlegen, daß jeder einen stabilen Sockel hat. Ich bin immer ein Freund des Kleinen - wenn der Kleine maßvoll bleibt." (Karl-Heinz "Sexy Knees" Rummenigge, geschäftsführender Präsident des FC Bayern München, in einem SZ-Interview)

... ist natürlich Big Sinn. so einfach, so selbstverständlich, aber epiphanie erst heute, 22 jahre zu spät, als ich den pseudoitalienischen markennamen auf einem nassen socken falsch gelesen hatte. (damals, als meine jugendbands aufgelöst waren, wollte ich immer unter dem namen "Blind Delta Weberman" [*] weitermachen.)

... begonnen material zu sammeln zur these, dass neoliberalismus tatsächlich pop-politik ist. dass blairs rock'n'roll-frontman vergangenheit, schröders scorpion-geschmack und all das mehr ist als die lustige popkultur-randbemerkung, sondern analysierenswert. dass die politische dimension von pop insgesamt eher vernichtend ist.
blair
click aufs bild für mehr info ("he even wanted to rehearse ...")
vgl. worst political popsongs.

... gut. aber: kennen die sich jetzt wirklich so viel besser aus als ich, der ja auch nur im ton des sich-viel-besser-auskennenden über all das denkt/spricht?

... muss tatsächlich ernsthaft analysiert werden, anders als bis jetzt. ekel vor "wettbewerb"-rhetorik allein reicht nicht, weil das zwar alles flach und deppert ist, aber doch eine realität ansatzweise abspiegelt, die die konkurrierenden diskurse (wie der altlinke) offenbar überhaupt nicht mehr streifen. das schröder-blair-papier als avancierteste formulierung (1:1 gegenwärtiger mainstream) detailliert analysieren. bereits nach ersten ansätzen sehr interessant. sehr guter text dazu auch: das rummenigge-interview in der neuesten sz, in dem er die höchstbezahlung von fußballern als anspornendes gesellschaftsmodell für die kranke brd verkündigt.

... ein manifest (von horx, trend- und zukunftsforscher seit 1985): "Spätestens, wenn man anfängt, Fragen außerhalb des der kritischen Konformität zustellen, ist Schluss mit lustig."

immer noch so tuend als seien "die 68er" der mainstream, und sie immer neu überwindend. das hippie-bashing, das gutmenschen-verarschen, das schluss-mit-den- verkrampften-linksideologien, vor allem das sich-dabei-als-revolutionärer-geist gerieren. die linie horx - haraldschmidtfan - illies - broder - tarantinofan - sloterdijk - fan-von-billigen- 70erjahre-porno-film- soundtracks ... wie konnte das mit dem 1980er-medien-bewusstsein nur so grotesk schief gehen? wie konnte sich das grundfalsche mit dem ansatzweise richtigen so ekelhaft mischen, dass man gar keine lust mehr hat, das anstrengend auseinander zu klauben, womit man den-ganz-den-anderen das feld immer gleich überlässt? (eine frage, die sich etwa meinecke immer wieder ausdrücklich stellt, aber ich habe seine antworten vergessen)

gedankliche vertiefung: horx, die reise nach Ichtopia

... blogger-meeting, übermorgen. via praschl. klingt gut:

# ab 16.00 gibt es ein random piquenique. es wäre schön, wenn jeder, der zu blogmich05 kommt, zu essen mitnimmt, am besten für 2-3 leute. dann werden alle satt. was übrig bleibt, wird an hungrige menschen verschenkt.
# bei blogmich05 gibt es ein line up grandioser djs& djettes, die jeweils 15 minuten lang auflegen werden.
# bei blogmich05 findet ein cd-swap statt. wäre schön von dir, wenn auch du 2 (identische) cds mit musik deiner wahl auf den haufen werfen würdest - dafür bekommst du 2 (nichtidentische) cds mit musik anderer menschen wahl. die musik sollte zu 50 prozent hintergrund, zu 50 prozent zum tanzen aufputschend sein.

... offensichtlich war das der vegessene auslöser für den thread.

... daß nicht nur die gesellschaftliche mittelschicht zerbröselt sondern auch die intellektuelle? i.e.: die jugend verblödet auf der einen seite, auf der anderen wird sie immer intelligenter & wissender?" [#] [file under: "gute fragen"]

... hier das alte papier, am besten im vergleich zum kommunistischen manifest.
essay: what is neoliberalism, der das leitbild der stadt düsseldorf von 1997 zitiert:

"Düsseldorf bekennt sich zum Prinzip des Wettbewerbs. Der Erfolg von Städten entscheidet sich im Wettbewerb nach innen und aussen. Wettbewerb ist treibende Kraft unseres gesellschaftlichen Systems. Im zusammenwachsenden Europa gilt dies in hohem Masse auch für die Beziehungen zwischen den Regionen, die als Wirtschaftsstandort, als Lebensraum für die Bürgerinnen und Bürger und als Kulturstandort miteinander konkurrieren. Sich hierzu bekennen heisst, den Wettbewerb aufnehmen und aktiv gestalten zu wollen. Im Wettbewerb besteht nur, wer gut ist. Düsseldorf will Wettbewerb. Im Interesse der vielen Millionen Menschen des Lebens- und Wirtschaftsraums: Düsseldorf will besser sein."

... "The bulk of the book [von Stephen "Ants Emergence" Johnson, vor dem erscheinen] argues that pop culture is more complex than it used to be and more than we usually give it credit for. Look past the content of video games and TV, Steve says, and you'll see that their structures are far more complicated and demanding than ever before. (Deadwood should be his new favorite example.) He graphs the complexity of social relationships in Dynasty and 24, for example, and shows that the former is like a family while the latter is like a village." ...

via weinbergers joho-blog. stimmt ja und verdient analyse, aber dann doch ein wenig enttäuschend (und der kernthese widerspechend) die reflexive ebene: "In following 24, we get better at understanding complex social relationships."

... seltsam, dass blog-diskussionen immer so hilflos sind. die web-savvy insider unterscheiden die richtigen von den falschen blogs: "Keine Kommentare, keine Trackbacks, selten Links zu Fundstellen sondern nur Links zu den Blogs, dazu sind kaum wirkliche Artikel zu finden sondern nur kurz kommentierte Fundstücke aus dem Netz. Impact? Nahe Null." (Lummaland, hier auch diskussion, ergänzend plastic thinking) der ur-artikel auf heise vom focus-redakteur über die deutsche blogging-krise ist hier.

und dann regelmäßig, fast noch nerviger, die anderen, die sagen: das ist so deutsch, immer den sinn suchen. das tut so weh, das nachdenken. ich blog halt einfach gern, du. mit netten leuten quatschen. ich leb mein leben ganz spontan (sang die frauenzeitungs-tv-werbung für nescafe). ich bin wie ich bin und hab da einfach lust drauf.

die intelligentere version: "All comes down to one core statement: A weblog is a representation of a person. An extension. Like a suit you wear when you engage with someone. You interact with people in the space by wearing the blog as an outfit." (Tom Coates, plasticbag-blog) ">sag ich doch immer: blogs sind wie parties. und parties bestehen nicht aus menschen, sondern aus aussagen (semantischen events). mit diesem allgegenwärtigen "die menschen"-kitsch-gerede aufräumen, an dem sich die leute im medien-durcheinander krampfhaft festhalten.

... Bester literarischer Text im Netz: Rainald Goetz’ Abfall für Alle. (Es damit gar nicht erst aufzunehmen versuchen. Ich gegen Rainald sowieso immer irgendwie: Der Hallodri. Der Bizet. Dann aber letztens mal Carmen im Gärtnerplatztheater gesehen und total geplättet. Bizet-Vergleich gebongt. Nietzsche: Diese Musik schwitzt nicht.) ...

Zu Hause erst einmal in den Keller, Zeitschriften aus den 1980er Jahren herausgesucht (für Eckhards akademische Forschungen). Immer wieder die Frage: Wann tauchte der Begriff Pop auf? Im produktiv diskursiven Sinn. (Nannten wir den Popsommer 82 schon 1982 Popsommer 82?) Später dann nur noch Bier aus dem Keller geholt, von 0 bis 3 Uhr gemeinsam an das Aussortieren von Schallplatten aus meiner maximal 90 12-Zoll-Platten fassenden DJ-Kiste. ...

mehr hier im off.

... thomas meineckes ratzinger-monolog im netz-tagebuch.

... damals, als ich 1975, mit 14 also, in einem spd/gewerkschaftsseminar "Lohn, Preis, Profit" (siehe auch dkp-darmstadt) studiert habe. danach komplett solipsistischer abonnent von "avanti", einer merkwürdigen post-apo und prä-grünen zeitschrift der "undogmatischen linken", hg. von klaus-rainer röhl, auch konkret-erfinder, meinhof-ehemann und heute rechter renegat (hintergrund). wie ich heute staunend feststellte, befand ich mich damit im gedanklichen dunstkreis des künftigen postapo-nationalismus. davon habe ich nichts gemerkt, goutierte aber die damals ("k-gruppen") durchaus nicht selbstverständliche ablehnung real existierender kommunismen. irgendwann wurde aus dem wirren "avanti", wo herbert marcuse und rudolf bahro und ich glaube auch rudi dutschke schrieben, dann übergangslos und sozialisationstechnisch passend "das da / avanti", mit vielen nackten mädchen ("sexuelle revolution") zwischen den weltfernen links-essays. was ich gut fand, da ich ja nichts dafür konnte und die zeitschrift immer noch im neutralen braunen umschlag kam. nach "das da" dann "sounds" (etwa 1978?). 1979 dann auch hier die wende von altem paradigma (westcoast 1969) zum neuen paradigma (london / new york 1977 ff.) untergrund-pop ersetzte linke politik-theorie vollständig, was kulturhistorisch viel näher lag, als ich wiederum gemerkt habe:
Also meine Position war damals, im Gegensatz, die kulturindustrielle Verblendung durchbricht man gerade nicht, wenn man versucht, sie zu durchbrechen, in dem man versucht die Wahrheit zu sagen, sondern in dem man den Verblendungszusammenhang aufgreift, den Produktzusammenhang aufgreift und damit arbeitet und gegen das sich richtet was es ist. (Diederich Diederichsen)
(p.s. rudi-dutschke-straße d. war/ist ein echtes idol, aber let's face it: er sah gut aus, ein großartiger performer, das leidenschaftlich-heisere äußern unverständlicher sätze voll cooler abstraktionen, aber als denker komplett zu vergessen. tatsächlich wollte er als teenager ja radio-sportreporter werden.)

... grundkurs für müntefering und mich: den o-text lesen.

der erste eindruck ist erstaunlich gut. 50% der kapitel 1 und 2 kann praktisch unverändert übernommen werden. das wort "class" weglassen, alle historischen details natürlich, "bourgeoisie" zugleich immer auch als "das kapital" lesen (was explizit so drinsteht), und vor allem das wort "workers" immer mit ".../consumers" ergänzen.

... der unscheinbare ursprung des großen slogans. Praise The Web!
the residents: "Duck Stab" EP 1977

        

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